Seit ich von meiner letzten Indienreise zurückgekommen bin, nehme ich Gesangsunterricht. Wie es dazu kam? Schon als ich die OM-Chanting Meditation vor einigen Jahren gelernt habe (mehr dazu hier), habe ich festgestellt, wie groß die Wirkung von Singen auf das Wohlbefinden ist und wie viel das Benutzen der eigenen Stimme in einem auslösen kann. Im letzten Winter, wieder in Indien, habe ich einen Singing Circle besucht. Eine Gruppe von Menschen sitzt im Kreis und singt gemeinsam Lieder – so simpel und so schön. Jedes Mal war ich danach ganz glücklich und habe beschlossen, dass ich das nicht mehr missen möchte.

Meine Motivation, Gesangsunterricht zu nehmen, lag also gar nicht so sehr darin, besser Singen zu lernen. Viel mehr bin ich meinem Herzen gefolgt und hatte Lust, mich dadurch noch besser kennenzulernen.

 

Singen zur Persönlichkeitsentwicklung

In meinen Zeugnissen in der Schule stand immer: „Lea folgt dem Unterricht mit ruhigem Interesse.“ Dieser Satz hat in mir zwei Reaktionen ausgelöst: 1. „Interesse? Wie kommen die denn darauf?“ Ich fand den Unterricht selten interessant und war in meinen Gedanken mehr in meiner eigenen Welt. 2. „Ruhig? Hm, anscheinend wollen die, dass ich mehr rede.“ Es hat sich durch meine Schullaufbahn gezogen, dass meine mündlichen Noten schlecht waren. Dadurch habe ich angefangen zu glauben, dass ruhig zu sein, nicht richtig sei und reden wurde zu etwas, das ich machen muss.

Durch diese Erfahrungen war meine Beziehung zu meiner Stimme nicht ganz unbefangen und der Schritt zum Gesangsunterricht hat mich etwas Überwindung gekostet. Doch das Verlassen der eigenen Komfortzone wurde belohnt und nun entdecke ich meine Stimme neu und entwickle mich dadurch nicht nur stimmlich weiter.

 

Canan Uzerli – Gesangscoaching mit Herz

Als ich Mama von meiner Gesangslehrerin Canan erzählte sagte sie: „Du hast aber auch immer ein Händchen für die richtigen Menschen.“ Noch aus Indien hatte ich eine Gesangslehrerin in Hamburg angeschrieben, bei der ich auf Anhieb ein gutes Gefühl hatte. Mit der wundervollen Canan hat die Chemie sofort gestimmt und ich war mir direkt sicher, dass ich dort regelmäßig hingehen möchte. Canan ist nicht nur eine großartige und erfahrene Sängerin, sondern hat auch eine Coaching-Ausbildung. Mit ihrer herzlichen Art hat sie mich einfühlsam und bestimmt an das Singen herangeführt und hilft mir, meine Stimme besser kennenzulernen und zu trainieren.

Yoga und Singen

Photo by Jan Gemkow

 

Singen ist wie Yoga und Yoga ist wie Singen – beides macht glücklich

Während des Gesangsunterrichts sage ich immer wieder zu Canan: „Das ist wie beim Yoga.“ Zu Beginn einer Stunde bewegt man sich erst etwas, um bei sich und im Körper anzukommen und baut den Stand auf – ganz ähnlich wie in einer Yogastunde, bevor man mit den Sonnengrüßen beginnt. Außerdem ist sowohl beim Yoga, als auch beim Singen, der Atem essentiell – bei beidem wird daher gezielt die Atmung geschult. Die Körpermitte ist ebenfalls beim Singen und beim Yoga von Bedeutung. Während unsere Bauchmuskulatur uns hilft, diverse Yogaübungen besser ausführen zu können, benötigen wir auch Kraft aus unserer Mitte, um vor allem hohe und tiefe Töne leichter singen zu können. Durch Yoga und durch Singen kommen wir in Verbindung mit uns selbst: die Gedanken geben Ruhe, man kommt in den Moment und fühlt sich dadurch einfach glücklich.

Die positiven Effekte von Singen und Yoga habe ich aber nicht nur selbst erlebt, sie sind auch wissenschaftlich belegt. In diesem Blogartikel von Canan erfährst du mehr über die positive Wirkung von Singen auf die Stimmung und die Gesundheit. Singen stärkt unser Immunsystem, erhöht die Lebenserwartung und fördert die Ausschüttung von Glückshormonen (Beta-Endorphinen). Diverse Studien über Yoga und Meditation belegen eine  ähnliche Wirkung auf uns und unseren Organismus. Mehr über die wissenschaftlichen Nachweise zur Wirkung von Yoga wirst du demnächst in einem weiteren Artikel auf meinem Blog erfahren.

Singen für Yogis

Das Chanten (Singen) von Mantren ist fester Bestandteil im traditionellen Yoga. Bereits in jahrtausende alten hinduistischen Schriften wurde die heilende und spirituelle Wirkung von heiligen Gesängen beschrieben. Wir praktizieren Yoga unter anderem, um Energie zum Fließen zu bringen und Energieblockaden zu lösen. Durch Singen wird ebenfalls Energie freigesetzt und Blockaden in den Chakren (Chakra = Energiezenrtum) können gelöst werden. Vor allem bei Blockaden des Halschakras, das für Kommunikation, Ausdruck und Kreativität steht, hilft Singen, die Energie wieder ins Fließen zu bringen. Im Yoga wollen wir jeden Muskel erforschen und unser Bewusstsein in jede Zelle unseres Körpers ausweiten – da sollten auch die Stimmlippen und Stimmbänder nicht außer Acht bleiben.

Aber nicht nur für Yogapraktizierende, auch für Yogalehrer ist Gesangsunterricht sinnvoll. Bereits nach wenigen Stunden Gesangs-Coaching merkte ich eine Verbesserung in dem Umgang mit meiner Stimme. Gerade, wenn ich vor großen Klassen oder in Räumen mit schlechter Akustik unterrichte, fällt es mir jetzt viel leichter, laut zu sprechen und meine Stimme fließt ganz unangestrengt aus mir heraus. Eine nicht seltene Kritik an Yogalehrern ist, dass die Stimme als nicht angenehm empfunden wird. Im Yogaunterricht leiten wir die Teilnehmer mit Hilfe unserer Stimme durch die Stunde und schaffen eine bestimmte Atmosphäre. Die Frequenz unserer Stimme löst gewollt oder ungewollt Reaktionen in den Zuhörern aus. Mit einer geschulten Stimme können wir unsere Teilnehmer also noch besser zur Ruhe und zu sich selbst führen.

Yoga und Singen

Yoga für Sänger

Canan ist aufgefallen, das Schüler, wenn sie vor dem Gesangsunterricht beim Yoga waren, besser singen. Im Yoga fokussieren wir uns ganz auf uns und steigern unsere Konzentration, was sich positiv auf den Gesang auswirkt. Übrigens ist Singen gar nicht so unanstrengend – manchmal komme ich dabei richtig ins Schwitzen. Die Stärkung unserer Muskeln und eine verbesserte körperliche Ausdauer durchs Yoga sind also ebenfalls ein wertvolles Training für Sänger – vor allem auch um längere Konzerte zu meistern. Yoga verbessert darüber hinaus unsere Haltung, wodurch der Atem und die Töne besser fließen können. Die Schulung des Atems durch Pranayama (= yogische Atemtechniken) vergrößert unser Lungenvolumen und stärkt das Zwerchfell, wodurch die Töne kräftiger gesungen und länger gehalten werden können.

Da wir beim Yoga eine Verbindung mit uns, unserer Atmung und unserer Mitte schaffen, eignet es sich also ideal zur Vorbereitung zum Singen. Yoga hilft uns, unsere innere Stimme zu finden und durchs Singen können wir sie nach außen tragen.

 

Na dann – ab auf die Yogamatte und ans Mikrofon!

 

Namaste und fröhliches Trälllern,

Eure Lea

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