Meine letzten Wochen in Indien habe ich in dem wunderschönen Varkala verbracht. Ich habe dort eine sehr schöne Unterkunft mit kleiner eigener Küche und Hängematte zwischen zwei Tempeln gefunden. Morgens um 5 wurde ich zunächst von den Rufen aus einer Moschee geweckt, gegen halb 6 begannen die Tempelgesänge. Da ich tatsächlich gerne zwischen 5 und 6 Uhr aufstehe und das auch aus ayurvedischer und yogischer Sicht ein gesunder Rhythmus ist, hat das gut gepasst. Direkt nach dem Aufwachen habe ich meinen vielen ayurvedischen Öle auf den entsprechenden Körperteilen aufgetragen, anschließend Pranayama gemacht und meditiert, dann geduscht und los zum Yoga. Für mich der perfekte Start in den Tag!

Ein kleiner Yogi mit großem Herz

Nachdem ich in den letzten Monaten so viele verschiedene Lehrer und Yogastile kennengelernt habe, war es mir jetzt wichtig, mich mehr zu fokussieren. Die Wahl für mein tägliches Morgenyoga fiel auf traditionelles Hatha-Yoga bei Ramesh. Ramesh kenne ich bereits aus dem letzten Jahr – er ist ein toller Yogalehrer und Freund, der Yoga nicht nur unterrichtet, sondern auch lebt.

Ramesh unterrichtet mit viel Leidenschaft und Herz und es ist eine große Freude für mich zu sehen, dass dies nun belohnt wird. Während er es letzte Saison noch etwas schwer hatte, in Varkala Geld zu verdienen, hat sich seine Yogashala dieses Jahr zu einem Wohlfühlort entwickelt und Ramesh hatte ordentlich zu tun.

Neben den ständig wechselnden Touristen in seinen Klassen gab es auch einen harten Kern, der wie ich jeden Morgen zum Yoga kam. Schnell stellte sich ein sehr familiäres Miteinander ein. Jeden Morgen begrüßten wir uns mit herzlichen Umarmungen und häufig haben wir vorher oder hinterher gemeinsam Chai getrunken, gefrühstückt oder sind schwimmen gegangen. Ich habe es sehr genossen, so viel Zeit mit Gleichgesinnten zu verbringen. Wir haben viele sehr inspirierende Gespräche geführt und gleichzeitig sehr viel Spaß gehabt und viel gelacht.

Ramesh hat während dieser Zeit außerdem seine erste Yogalehrerausbildung gegeben. Eine seiner Schülerinnen wollte so gerne bei ihm lernen, dass er extra für sie eine Ausbildung organisiert hat. Zu meinem großen Glück, hat er mich eingeladen, an den Stunden teilzunehmen. Einfach so hatte ich also die Gelegenheit von tollen Lehrern mehr über Yogaphilosophie und Anatomie zu lernen und die Kenntnisse aus meiner Yogalehrerausbildung zu vertiefen.

Singing circle

In Rameshs Yogaschule fanden auch immer wieder besondere Events statt. Meine Lieblingsveranstaltung war der Singing Circle, angeleitet von der wundervollen Sängerin Sarka Elias. Wir saßen alle gemeinsam im Kreis und haben Lieder aus der ganzen Welt gesungen, die überwiegend einen spirituellen Hintergrund hatten. Vor wenigen Jahren wäre dies für mich vielleicht noch eine alberne Hippie-Veranstaltung gewesen, jetzt war ich mittendrin statt nur dabei und hatte jede Menge Spaß. Es hat mich sogar dazu inspiriert, mir noch aus Indien eine Gesangslehrerin in Hamburg zu organisieren.

Tibetan doctor

Ein großer Wunsch für diese Reise war es, dass meine Migräne, Schulter- und Beinschmerzen verschwinden. Von der Migräne hatte ich nun seit einiger Zeit Ruhe, aber Bein und Schulter haben noch gemuckelt. Eigentlich hatte ich vor, nochmal in das ayurvedische Krankenhaus zu fahren, allerdings hätte ich dafür Varkala verlassen müssen. Alternativ habe ich mich dazu entschlossen, den tibetischen Arzt zu besuchen, von dem mir viel Positives berichtet wurde.

Bei meinem ersten Termin wurde ich sehr freundlich von dem Arzt und seiner hochschwangeren Frau begrüßt. Ich war darauf vorbereitet, mal wieder meine jahrelange Geschichte über Beginn der Migräne usw. zu berichten. Der Arzt griff jedoch ohne jegliche Fragen einfach nach meinen Handgelenken und fühlte ausgiebig den Puls. Seine erste Aussage war, dass ich Schmerzen an der Schulter hätte und dass schon seit vielen Jahren. Jupp – stimmt! Dann sagte er, dass meine Nerven auf der linken Seite schwach sein. Das Selbe hatten auch die beiden Ayurveda-Ärzte gesagt. Er empfahl mir einige Behandlungen, die wir auch direkt begannen. Dazu gehörte unter anderem Akupunktur und Schröpfen. Letzters hinterlässt heftige Blutergüsse und sorgt beim Strandbesuch definitiv für Aufsehen.

Bereits nach dem zweiten Termin spürte ich eine deutliche Verbesserung der Schmerzen im Bein. Da nach einigen Terminen das Baby des sympathischen tibetischen Paares zur Welt kam und ich dann abreisen musste, konnten wir die Behandlungen allerdings nicht fortsetzen. Ich war etwas enttäuscht, dass ich nun nicht die sagenumwobende „Precious Pill“ bekam, für die man innerlich bereit sein muss und die wahre Wunder vollbringen soll. Mein Interesse für tibetische Medizin ist in jedem Fall geweckt!

Time to say goodbye

An meinem Abreisetag haben wir morgens um 6 Uhr gemeinsam 108 Sonnengrüße gemacht, sind Schwimmen gegangen und haben gefrühstückt. Der Abschied aus Varkala fiel mir super schwer und ich konnte es kaum glauben, dass die 4 Monate schon vorbei waren. Gleichzeitig war ich voller Freude über alles was ich erlebt habe und sehr neugierig darauf, wie es sich anfühlt, wieder zu Hause zu sein.

Inzwischen bin ich seit 2 Wochen wieder in Hamburg. Der Kulturschock beim Nachhausekommen ist tatsächlich mindestens so groß, wie der auf der Hinreise. Hier bin ich wieder durchschnittlich groß, meine Hautfarbe interessiert niemanden und auf der Straße werde ich nicht angestarrt, aber auch selten angelächelt. Alles kommt mir einfarbig, trist und unfassbar sauber und geregelt vor.

Nach und nach setzen sich die vielen Eindrücke und mir wird bewusst, was sich in mir alles verändert hat. Ich bin angefüllt mit viel neuem Wissen, Inspirationen und Erkenntnissen. Diese Reise hätte nicht schöner und wertvoller sein können. Ich fühle mich reich beschenkt und kann es nun gar nicht mehr abwarten, das neu Erlernte mit anderen Menschen zu teilen.

Namaste,

Eure Lea

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