walking on my clouds

Inzwischen bin ich seit gut 3,5 Monaten in Indien unterwegs und an meiner letzten Station für diese Reise angekommen. Auch wenn das große Angebot an spannenden Aktivitäten sehr verlockend ist, nehme ich mir Zeit zurück zu schauen. Mir wird bewusst, wie viele wertvolle Erfahrungen ich hier bereits gesammelt, wie viele tolle Menschen ich getroffen und wie viel ich gelernt habe. Jetzt brauche ich eine Pause von Input und Zeit zum Verarbeiten. Es gibt auch einige Orte und Erlebnisse, von denen ich gar nicht geschrieben habe. In diesem Beitrag berichte ich zumindest über ein paar davon.

Devprayag – wo der Ganges entspringt

An dem ersten Tag nach der Yogalehrerausbildung haben wir zu dritt einen Ausflug zu dem 3 Stunden von Rishikesh entfernten Devprayag unternommen. Schon die Fahrt dorthin war toll, weil nicht viel Verkehr war und wir eine tolle Aussicht über den Ganges hatten.

In Devprayag angekommen hat man eine gute Sicht über den an einem Hang gelegenen Ort mit vielen kleinen bunten Häusern. Das Besondere an diesem Ort ist, dass sich hier zwei Flüsse (Alaknanda und Bhagirathi) vereinen und dann den Ganges bilden. Es werden Pujas abgehalten und Hindus aus ganz Indien pilgern dorthin, um in dem heiligen Wasser zu baden. In dem Ort fahren keine Autos und es ist dementsprechend ruhig und verschlafen.

Schon die Fahrt dorthin war toll, weil nicht viel Verkehr war und wir eine tolle Aussicht über den Ganges hatten. In Devprayag angekommen hat man eine gute Sicht über den an einem Hang gelegenen Ort mit vielen kleinen bunten Häusern. Das Besondere an diesem Ort ist, dass sich hier zwei Flüsse (Alaknanda und Bhagirathi) vereinen und dann den Ganges bilden. Es werden Pujas abgehalten und Hindus aus ganz Indien pilgern dorthin, um in dem heiligen Wasser zu baden. In dem Ort fahren keine Autos und es ist dementsprechend ruhig und verschlafen.

Nach der intensiven Zeit der Ausbildung und dem strikten Stundenplan habe ich diesen freien Tag und die besondere Energie des Ortes unfassbar genossen. Mutig haben wir dort in einem kleinen, abgerockten Teehaus einen Kardamom-Chai getrunken und hausgemachtes Gebäck gegessen. In Indien reist die Sorge, um Lebensmittelvergiftungen immer mit, aber in diesem Fall ist alles gut gegangen und der Tee war der beste, den ich in Indien getrunken habe. No risk – no fun!

One more week in Rishikesh

Aus meinem tollen Einzelzimmer in der Yogaschule bin ich anschließend mit einigen anderen Studenten in ein kleines angeschmuddeltes Guesthouse in Rishikesh/ Lakshman Jhula direkt am Ganges gezogen. Es sollte die günstigste Unterkunft bleiben, die ich auf dieser Indien-Reise bewohnt habe (Einladungen und private Übernachtungsmöglichkeiten ausgeschlossen): 500 Rupies (6€) für ein Doppelzimmer, das ich mir mit der zauberhaften Argentinierin Maria teilte.

In der verbleibenden Woche bin ich durch die Gegend und Läden gebummelt, habe mir Ashrams und Tempel angeschaut und das leckere Essen genossen. In Rishikesh ist es gleichzeitig friedlich und chaotisch. Friedlich, weil überwiegend spirituelle Menschen unterwegs sind, kein Alkohol und Fleisch verkauft wird und insgesamt eine sehr freundliche Atmosphäre herrscht. Überall wird man mit „Ji“ begrüßt, einem liebe- und respektvollen Kosewort, das ich bisher nur von meinen sehr guten indischen Freunden kannte. Chaotisch, weil super viel gehupt wird, Affen durch die Gegend springen, Kühe überall im Weg rumstehen und Autos, Scooter und Fußgänger teilweise in Massen unterwegs sind.

Außerdem habe ich es sehr genossen wieder einfach nur Yogaschülerin zu sein und habe sehr viele verschiedene Yogaklassen besucht – ehrlich gesagt habe ich es glaube ich etwas übertrieben, aber das Angebot war einfach zu verlockend. Es fiel mir jedoch auch auf, dass Yoga in Rishikesh ein riesiges Business geworden ist und sich unter den Yogalehrern auch viele ungeübte und nicht ernsthaft praktizierende Yogis tummeln. Wie ich inzwischen erfahren habe, schustern sich einige Yogalehrer in Indien untereinander die Zertifikate zu. Bei der Auswahl der Schulen und Lehrer ist also Vorsicht geboten!

Show me your navel – Besuch beim Astrologen

Auch wenn ich ab und zu mein Horoskop lese, habe ich mich bisher nicht ernsthaft für Astrologie interessiert. In Indien spielt die vedische Astrologie jedoch eine große Rolle. Viele Eltern lassen zur Geburt des Kindes ein Horoskop anfertigen und ich habe immer wieder von Beispielen gehört, in denen diese sehr zutreffend waren. Nachdem Maria mir von ihrem erstaunlichen Gespräch mit einem Astrologen berichtet hat, habe ich mir kurzentschlossen ebenfalls einen Termin bei diesem geholt.

Ich habe ihm Geburtsort, -datum und –zeit genannt, er hat diese in einen Computer eingetippt und dann 15 Minuten lang beiläufig erzählt, während er überwiegend durch das Fenster dem Treiben auf der Straße zugeschaut hat. Seine erste Aussage war, dass sich mein Leben 2006/2007 stark verändert hat, sowohl Wohnort, als auch Job und Partnerschaft  – und das ist ein Volltreffer! Ich bin zu dieser Zeit von Berlin nach Hamburg gezogen, habe mein Studium angefangen und mich nach 6 Jahren von meinem Freund getrennt. Auch wenn es um Personen in meiner Familie ging waren seine Aussagen teilweise sehr präzise. Er wusste erstaunliche Details über die Gesundheit und Persönlichkeit meiner Familienmitglieder.

Wie es für seriöse Astrologen üblich ist, hat er mir nicht die Zukunft vorausgesagt, mir aber Ratschläge mit auf den Weg gegeben, die sich für mich überwiegend passend angefühlt haben. Etwas überraschend war für mich, dass ich Tantra-Yoga in Thailand praktizieren sollte. Interessanter Weise bin ich seitdem immer wieder mit Tantra-Yoga in Berührung gekommen und wer weiß, wo die nächste Reise hingeht. Noch größer war die Überraschung, als er meinen Bauchnabel sehen wollte. Inzwischen weiß ich aber, dass das bei vedischen Astrologen durchaus üblich ist und der Bauchnabel einiges über die Persönlichkeit verraten soll. Nach diesem erstaunlichen Erlebnis habe ich mich tatsächlich gefragt, was über unsere Lebenswege so alles in den Sternen geschrieben steht.

Goa – Vamos a la playa

Unter den 13 Studenten in meiner Yogaschule war doch wirklich noch eine zweite Frau aus Hamburg! Diese wundervolle neue Freundin hat mich sehr großzügig in ihre komfortable Hütte in Agonda Beach – Goa eingeladen. Das hat meinen Wunsch, von Rishikesh direkt an den Strand zu reisen, verstärkt und ich war nach 12 Stunden Reisezeit (zwei Flieger und 2 Taxifahrten) im Warmen unter Palmen.

Anders als viele Leute denken, ist Goa nicht ein einziger Ort, sondern ein Staat in Indien mit mehreren Städten, Orten und Stränden. Grob unterteilen kann man in Nord- und Südgoa – während im Norden teilweise am Strand gefeiert werden kann, geht es im Süden eher ruhiger zu. An vielen Orten ist ab 22h Musik verboten. In Agonda Beach hat es mir super gut gefallen und es war toll nach den kühleren Temperaturen im Norden Indiens, leicht bekleidet durch die Gegend zu ziehen.

Goa wird gerne auch als „India light“ bezeichnet, weil es dort so touristisch ist, dass man westliches Essen bekommt und im Bikini am Strand liegen kann. Die Nachteile dadurch für mich persönlich waren, dass es tatsächlich schwierig war unter den vielen westlichen Yogalehrern einen indischen zu finden und, dass die Preise für die Unterkünfte verdammt hoch waren – das hatte ich so zuvor in Indien noch nicht erlebt. Zunehmend mehr Westler eröffnen dort Restaurants und Hotels, was den Standard und die Sauberkeit sichtlich erhöht – aber auch die Preise.

Nach der Abreise von Anne bin ich nach Palolem und Patnem (beide Orte ebenfalls in Goa) umgesiedelt. Diese Orte kannte ich noch von meinen früheren Indienreisen. Verglichen mit damals war ich etwas enttäuscht, weil alles voller, lauter und bebauter war und ich hatte tatsächlich nach dem friedlichen Rishikesh einen kleinen Kulturschock beim Anblick von Alkohol, Fleisch und Fisch. Als ich dann aber eine kleine einfache Bretterbude mit Blick aufs Meer ergattert hatte und einen ganz wundervollen indischen Yogi gefunden habe – habe ich mich auch hier wieder pudelwohl gefühlt. Jeden Morgen bin ich von meiner Hütte am Patnem Beach mit der Rikscha zum Yoga nach Palolem gefahren. Swami Shivanandha Jhee hat vor Weisheit nur so geleuchtet und hatte die wärmsten und liebevollsten Augen, die ich je gesehen habe. Während er in den Unterrichtsstunden eher schweigsam war, hat er sich nach den Stunden immer viel Zeit genommen und nur so losgesprudelt, wenn man ihm eine Frage gestellt hat. Ich hoffe, er wird seine Idee von einem Ashram in Nordindien verwirklichen, so dass viele Schüler von seinem Wissen profitieren können.

Good Vibes – Sound healing Meditation

An meinem letzten Abend in Goa habe ich mich mit Sarah und Dave zu einer Sound Healing Meditation verabredet. Ich war etwas zu früh an dem Ashram angekommen und wurde dort von einem recht verlebt aussehenden, langhaarigen Yogi empfangen, der sich als Krishna vorstellte. Er führte mich in einen kleinen Raum, in dem ein großer Gong, Trommeln und viele Klangschalen standen. Während er anfing die Klangschalen zu sortieren begannen wir ein Gespräch. Er sagte, mein Gesicht sähe indisch aus, dass ich Indien sicher lieben würde und in meinem vorherigen Leben dort geboren worden sein. Das höre ich tatsächlich nicht das erste Mal. Während des Gesprächs hatte ich das Gefühl, dass sein Blick immer wieder meinen Körper abcheckte und ich habe mich gefragt, wie yogisch das nun eigentlich ist.

Als Sarah und Dave ankamen, habe ich mich jedenfalls sehr gefreut. Nicht nur, weil sie wundervolle Menschen sind, sondern auch, weil ich mich so besser entspannen konnte. Die beiden hatten auch Spannendes zu berichten. Sie erzählten von dem Heiler Mr. Lee, dem sie zufällig begegnet waren und der Dave eine abenteuerliche Behandlung für seine Rückenbeschwerden gegeben hatte, die sehr effektiv gewesen sei.

Nachdem wir die wichtigsten Dinge besprochen hatten, begannen wir mit der Meditation. Krishna kündigte an: “It`s gonna be intense, you will go into deep meditation…“. Wir drei lagen auf jeweils einer Matratze am Boden und schlossen die Augen. Wir bekamen Klangschalen auf den Bauch und Krishna schlug nach und nach die unzähligen Klangschalen im ganzen Raum an. Zu Beginn lag ich da nur rum und hatte so meine Zweifel, aber irgendwann begannen die Töne meine Gedanken wegzutragen. Als der Gong und die Trommeln einsetzten war ich tatsächlich in einer ganz anderen Welt, sah Bilder vor meinem inneren Auge und hatte das Gefühl, dass mein Körper sich mit den Vibrationen der Klänge verbindet. Nach einer langen Abschlussentspannung kamen wir langsam zurück und ich blickte in fröhlich, entspannte Gesichter. Zum Abschied gab es noch einen etwas zu feuchten Knutscher von Krishna auf meine Wange.

Walking on Lea Clouds

Von Goa hat es mich nach Kerala gezogen. Dort habe ich zunächst meine Freunde in Alleppey besucht. Die waren ganz verblüfft als sie mich gesehen haben, weil ich mich optisch so verändert haben soll. Einer sagte, ich sähe aus, wie eine Polizistin! Dass finde ich ein etwas zweifelhaftes Kompliment, er meinte aber wohl, dass ich abgenommen und Muskulatur aufgebaut hätte und insgesamt stärker aussähe. Außerdem wurde mir der Spitzname „Cloud“ verpasst. Ausgerechnet der Freund, der mir vor circa 8 Jahren Gelassenheit beibringen wollte und immer wieder „go with the flow“ sagte, war jetzt ganz beeindruckt, wie ich mich treiben lasse und keine festen Pläne mache – und ja, ich genieße es sehr, auf meinen Wolken unterwegs zu sein.

Namaste aus meinem Herzensort Varkala, Eure Lea

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